Hacke Deine Ernährung – Review Lumen

Inhaltsverzeichnis

Wahllos Mahlzeiten konsumieren war gestern – Lumen hilft Dir Deinen Stoffwechsel zu verstehen und Deine Ernährung individuell auszurichten. Wir haben es getestet!

 

Als moderner Biohacker mit einem Studium in den Ernährungswissenschaften im Hintergrund, ist das gesamte Themengebiet Ernährung mit all seinen Facetten für mich seit Jahren überaus spannend und dank immer wieder neuen Erkenntnissen (sowohl persönlich, aber auch generell) noch lange nicht im wahrsten Sinne des Wortes durchgekaut.

Dabei geht uns heutzutage vor allem ein Aspekt immer noch verloren – die individuelle Ebene, auf der sich jede Debatte abspielen MUSS! Noch immer sind wir viel zu sehr im Schubladen-Denken unterwegs und sehen das gesamte Themengebiet nur in schwarz-weiß-Tönen. Lass uns doch mal stattdessen Regenbogen malen – jeder in seiner eigenen Farbe!

Um der Individualität gerecht zu werden, kommen mit der Biohacking-Welle immer mehr Gerätschaften, die uns genau dies ermöglichen sollen: Armbänder, Ringe, Apps, Heimtests versprechen alle eine individuelle Herangehensweise und Auswertung Deiner Parameter wie Blut, Atem, Puls, Kalorienhaushalt oder Stresslevel. Und auch im Bereich Ernährung finden sich immer wieder neue Gerätschaften, die uns bei unseren individuellen Bedürfnissen abholen sollen und somit die Umsetzung optimieren – genau darum soll es hier gehen!

Als neugierige Biohacker und kritische Gesundheitsoptimierer sehen wir es unter anderem als unsere Aufgabe, genau solche Gerätschaften zu testen und die Erfahrungswerte zu teilen, sodass Du Dir einen Haufen trial&error ersparen kannst. Wir können Dir an dieser Stelle auch versichern, dass diese Tests komplett unvoreingenommen ablaufen und immer unter einem kritischen Auge stattfinden. Sollten wir in irgendeiner Hinsicht von solchen Vorstellungen/ Kooperationen profitieren, lassen wir es Dich im Voraus wissen – doch selbst dann lassen wir es uns nicht nehmen offen und ehrlich zu berichten, sodass Du für Dich entscheiden kannst, ob ein Produkt sinnvoll ist oder nicht.

 

Lumen – Biohacking 2.0

Wir durften ganz exklusiv (da in Deutschland noch nicht erhältlich) das neue Biohacking-Tool Lumen testen. Hierbei handelt es sich um ein Atemgasanalyse-Gerät, welches anhand Deiner CO2-Werte bestimmt, ob Du bevorzugt im Fett- oder Kohlenhydratstoffwechsel bist. Auf dieser Grundlage definiert die App Deine persönlichen Ernährungsempfehlungen.

Miszek hat den Anfang gemacht und den gesamten August das Gerät auf Herz und Nieren getestet, Domi wird im September ihre Erfahrungen sammeln, doch bereits jetzt wollen wir Dir die bisher gesammelten Informationen und Erfahrungen nicht vorenthalten! Bevor wir uns dem Gerät direkt widmen, lass uns erst noch einen Blick hinter die Kulissen werfen, damit Du verstehst, wie das Gerät überhaupt funktioniert.

 

Die Wissenschaft dahinter – Atemgasanalyse

Bei der Atemgasanalyse handelt es sich um die wissenschaftliche Untersuchung der menschlichen Atemluft. Ziel ist es einerseits, Markersubstanzen zu identifizieren, die Rückschlüsse auf den klinischen Zustand eines Patienten erlauben, und andererseits mathematische Modelle zu entwickeln, die es erlauben, von Atemgaskonzentrationen auf die entsprechenden Blutkonzentrationen umzurechnen. Die gewonnenen Erkenntnisse können dann in Atemgastests für die medizinische Diagnostik umgesetzt werden. Atemgasanalysen finden auch viel Verwendung in der Leistungsdiagnostik.

Im Gegensatz zu Blutproben ist die Abnahme von Atemgasproben für den Patienten nicht-invasiv und kann auch beliebig oft wiederholt werden. Atemgasproben können in Echtzeit ausgewertet werden und ermöglichen daher auch eine kontinuierliche Beobachtung der Veränderung von Körpersubstanzen zum Beispiel am Ergometer, im Schlaflabor oder in der Intensivmedizin.

Konnten früher nur Stoffe in hohen Konzentrationen wie z.B. Kohlenstoffdioxid und Alkohol identifiziert werden, ist es durch die Fortschritte der letzten Jahre in der Analysetechnik möglich, deutlich fortschrittlichere Messungen vorzunehmen.

Messung von Kohlenstoffdioxid

Um Rückschlüsse über den Energiestoffwechsel zu ziehen, misst Lumen den CO2-Ausstoß über den Atem. Darüber lassen sich Rückschlüsse ziehen, ob Dein Energiestoffwechsel gerade vermehrt Kohlenhydrate zur Energiegewinnung nutzt oder Fette. Grundlage hierfür ist der sogenannte Respiratory Exchange Ratio (RER), der das Verhältnis von Kohlendioxid zu verbrauchtem Sauerstoff misst. Ein niedrigerer RER bedeutet einen höheren Fettstoffwechsel, und ein höherer RER bedeutet einen höheren Kohlenhydratstoffwechsel.1

Damit nutzt Lumen die gleiche Wissenschaft, die bisher in einem aufwendigen Laboraufbau genutzt wurde, wo eine Messung mehrere Stunden dauern kann und große Maschinen benötigt – jetzt allerdings in einem kleinen handlichen Gerät verpackt, welches nur einen einzigen Atemzug benötigt. Dies war bereits zu Beginn ein Aspekt, der die kritische „zu gut um wahr zu sein“ – Augenbraue hochziehen ließ.

 

Kein Keto-Messgerät

An dieser Stelle auch eine wichtige Info an alle Keto-Anhänger: Lumen misst nicht den Ketonspiegel im Atem (also Aceton) und eignet sich daher auch nicht als Wegweiser durch diese Ernährungsform (alles, was Du zur Keto-Ernährung wissen musst, erfährst Du HIER). Darüber hinaus ist es auch nicht Lumens Ziel, die Ketonproduktion zu optimieren, sondern das Erlangen eines flexiblen Stoffwechsels, der alle Substrate (vornehmlich Kohlenhydrate und Fette) effizient nutzen kann.

 

Wissenschaftlich untermauert

Wie dem auch sei, sollte das Gerät das versprechen, was es hält, wäre es tatsächlich ein wissenschaftlicher Durchbruch. Zumindest lässt sich an dieser Stelle festhalten, dass die RER-Ermittlung ein probates Mittel darstellt, um die Substratverwertung im Körper zu bestimmen. Fraglich ist nur, ob die bereits beschriebene komplizierte Technik in ein kleines handliches Alltagsgerät verpackt werden kann.

Tatsächlich hat Lumen nach einigem Gegenwind eine Studie vorzeigen können, die die Validität des Gerätes aufzeigen soll. Die negativen Stimmen wurden unter anderem deswegen immer lauter, weil Lumen zwar „laut mehreren Studien bereits eindrucksvoll die

Validität bestätigt“, diese Studien aber niemals mit angegeben wurden. Nun wurde endlich gemeinsam mit der San Francisco State University die mit Lumen gemessene Energieverwertung gegen den Goldstandard verglichen, veröffentlicht und konnte sich erstaunlich gut behaupten.

Getestet wurden 33 junge Individuen, gemessen wurde mit einem gängigen Labor-RER-Gerät und Lumen. Der Atemtest erfolgte einmal im gefasteten Zustand und nach einer 150g Glukose-Lösung. Beide Geräte zeigten sehr ähnliche Ergebnisse. Auch wurden die anderen Studien angegeben, welche Lumen hier zusammenfasst: https://www.lumen.me/research

 

Trotz der wissenschaftlichen Ergebnisse muss ich ehrlich gestehen, war meine Skepsis weiterhin recht hoch. Hinzu kam die generelle Tatsache, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass ein Gerät besser als ich selbst zu wissen vermag, was gut für mich ist und wann ich was essen soll.

Verstehe mich nicht falsch, ich bin an den gesamten Selbsttest mit einem großen Maß an Unvoreingenommenheit und Neugier gegangen, dennoch lässt sich nicht von der Hand weisen, dass 10 Jahre in den Ernährungswissenschaften ein gewisses Maß an Wissen und Erfahrungen mit sich bringen, auf denen man vertraut. Dies – auch wenn nur temporär – beiseite zu legen, erfordert Bescheidenheit und Unvoreingenommenheit.

Der erste Eindruck

Bereits die Verpackung erinnert stark an Produkte einer sehr bekannten Tech-Firma mit einem angebissenen Apfel als Logo – edel, hochwertig, ansprechend. Ich kann es nicht verbergen, bereits das Auspacken hat richtig Spaß gemacht. Auch das Gerät macht einen qualitätsvollen Eindruck, sieht gut aus (wobei es leicht an eine bestimmte Art an Spielzeug erinnert..) und liegt gut in der Hand. Das Gerät kommt mit einer kleinen Tasche für den Transport daher, dazu kommt die Ladestation und Gebrauchsanleitung. Alles sehr schick und sehr ansprechend. Für 299$ (auf dem US-Markt, in Deutschland ist das Gerät noch nicht erhältlich. Markteintritt ist 2021 geplant, aber bereits heute natürlich nach Deutschland bestellbar) ist dies allerdings auch das Mindeste.

So weit, so gut. Die wahre Kunst des Gerätes zeigt sich allerdings erst im täglichen Gebrauch und diese ist in erster Linie an die App, die mit dem Gerät kommt, gebunden.

 

Die erste Begegnung

Für das Aktivieren des Gerätes muss bereits die App runtergeladen werden, alles weitere läuft dann zunächst nach bekannten Standards und sehr intuitiv – persönliche Werte eingeben, Ziele, Fitnesslevel. Natürlich gibt Lumen auch Deine tägliche Kalorienmenge an, welche Du auf zwei Wegen verfolgen kannst: Lumen gibt Dir die Möglichkeit, Dich entweder für ein genaues tracken Deiner Kalorien zu entscheiden oder etwas intuitiver nach Lumens Punkte- und Optiksystem – hierbei werden bestimmten Lebensmittelmengen (z.B. eine Hand voll Haferflocken) entsprechenden Punkte zugewiesen. Es gilt die Tagesmenge an Punkten für Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße zu erreichen.

Hier, wie auch im gesamten weiteren Verlauf, fällt eine Schwachstelle in der Kommunikation auf; zumindest habe ich dies so wahrgenommen: Lumen gibt Dir zwar Deine absolute Kalorienmenge auf Grundlage Deiner Zielsetzung an und gibt Dir auch die Aufteilung auf die Makronährstoffe an, allerdings verlagert sich der gesamte Fokus im täglichen Einsatz auf die Frage, ob gerade Kohlenhydrate oder Fette als Energiequelle mobilisiert werden. Dies wird auch dadurch unterstützt, dass das Erreichen eines gewissen Erfolgserlebnisses sehr stark an die Atemmessungen gebunden ist und die Erfüllung eines optimalen Wertes zu einem entsprechenden Zeitpunkt (z.B. Fettmobilisierung am Morgen, Kohlenhydrateverwertung um ein intensives Training herum).

Dies kann für den ein oder anderen etwas irreführend sein, denn der Körper kann noch so häufig und lang in der Fettmobilisierung als primäre Energiequelle sein, sofern kein Kaloriendefizit vorliegt, wird keine überschüssige Energie in Form von Fett freigegeben.

Nochmal: Die Informationen liegen zwar vor, dennoch muss klar sein, dass zunächst je nach Zielsetzung der Energiehaushalt berücksichtigt werden muss. Und dann können wir uns Gedanken um die gerade genutzte Energiequelle machen.

Wenn Du jetzt bereits denkst, dass Dir die App direkt einen Ernährungsplan ausspuckt, muss ich Dich enttäuschen. Es geht nämlich erstmal weiter, indem Dich Lumen kennen lernt. Dies beinhaltet auch Dein Sauerstoff-Volumen, ein paar Test-Atemzüge und einen gesamten Tag zur Kalibrierung Deiner persönlichen Werte. Bereits hier lässt sich erahnen, dass irgendeine Art von KI (künstliche Intelligenz) der App innewohnt, denn mit jedem weiteren Wert, mit dem Du das Programm fütterst, lernt Lumen dazu und spuckt noch individuellere Ergebnisse aus. Dies erfolgt allerdings auch nur bis zum Abschluss Deiner ersten 4 Wochen, wie ich feststellen musste, nämlich bis Du Deinen ersten Flex Score (dazu kommen wir noch) erreichst.

Der ganze Prozess verläuft sehr flüssig, die App begleitet einen sehr gut und mit viel Unterstützung durch die einzelnen Schritte und ist auch immer sehr bestrebt, genügend Hintergrundinformationen zu vermitteln, um ein Verständnis für die einzelnen Schritte zu liefern.

Die App liefert über die zu bewältigenden Schritte auch von Beginn an sehr viele Ernährungsinformationen. Dies beinhaltet Rezepte, die Lumen-Philosophie und allgemeine Informationen zur Ernährung. Alles ist visuell sehr ansprechend und sehr gut (auch für den kompletten Einsteiger) verständlich dargestellt. Die tolle App, ein hohes Maß an Unterstützung und Informationen, eine wissenschaftlich fundierte Basis gepaart mit dem schon beschriebenen hochwertigen Produkt schien soweit die knapp 250€ ganz ok zu rechtfertigen. Da bin ich auch bereit, die etwas mangelnde Kommunikation hinsichtlich des Energiehaushalts zu verzeihen.

Am Ende sind dies dann aber auch alles nur nette Zusätze, wenn der tägliche Umgang und eine gewisse Präzision in den Ergebnissen, dem positiven Einstieg nicht folgen. Von daher hieß es für mich an der Stelle: Nicht zu früh freuen!

 

Der tägliche Einsatz

Nachdem Dein Lumen konfiguriert wurde, steht der individuellen Ermittlung Deines Stoffwechsels nichts mehr im Weg. Alles beginnt hierbei mit Deinem morgendlichen Atemzug gleich nach dem Aufstehen. Hinzu musst Du angeben, ob Du Dich an die vorgegebenen Kohlenhydratmengen vom Vortag gehalten hast, ob und wie lange Du fasten wirst, ob Du trainieren wirst und wie lange Du geschlafen hast. Wie Du siehst, beinhaltet der akkurate Einsatz des Gerätes bereits ein gewisses Maß an Planung für den Tag und wie ich es bereits in der ein oder anderen Instagram-Story (check hierfür die Story-Highlights unter „Ernährung“) klar gemacht habe: Lumen nimmt Dir die Arbeit nicht ab! Ganz im Gegenteil – ich würde sogar behaupten, dass es sich ausschließlich für diejenigen eignet, die es wirklich ernst meinen und die Vorgaben auch präzise umsetzen.

Die morgendliche Messung bestimmt im Anschluss Deinen Ernährungsplan, bzw. ist es am Ende die Aufteilung Deiner Makronährstoffe und im Endeffekt die spannende Frage, wie viele Kohlenhydrate Dir Lumen für den Tag zuweist. Dies hängt in erster Linie davon ab, welchen Wert Du am Morgen erzielst und ob Du ein Training für den Tag vorgesehen hast.

Der Lumen-Score

Für jede Messung sind zwei bis drei Atemzüge notwendig, um Messfehler zu vermeiden und um einen genauen Wert zu ermitteln. Dies ist zwar etwas zeitaufwendiger (pro Atemmessung brauchst Du 20-30 Sekunden) und vielleicht dadurch nerviger, ermöglicht aber genauere Werte. Je nachdem wie die Messung verläuft, weist Dir Lumen einen Wert von 1-5 zu. Dabei steht die 1 für eine nahezu absolute Fettmobilisierung und 5 für eine fast ausschließliche Kohlenhydrateverwertung. Die Werte 2, 3 und 4 geben Mischverbrennungen an.

Lumen macht immer weder in der App deutlich, dass das primäre Ziel ein flexibler Stoffwechsel ist (was auch unsere Meinung wiedergibt – höre Dir hierfür unseren Podcast an!) und nicht eine reine Fettmobilisierung. Je nach Tageszeitpunkt und Aktivitätslevel macht es aber zur Erreichung dieses Ziels Sinn, eine bestimmte Energiequelle vorzuziehen. So ist es überaus förderlich für den Hormonhaushalt, die Schlafqualität und die mitochondriale Effizienz, wenn morgens primär Fett als Energiequelle angezapft werden. Dementsprechend gibt auch Lumen einen morgendlichen Wert von 1 oder 2 als erstrebenswert an.

 

Kohlenhydrate fürs Training und Boost Days

Sobald es jedoch ins Training geht, suggeriert Lumen eher einen Wert von 3 und höher als Optimum an (also eine erhöhte Kohlenhydrateverwertung). Dies ist zwar etwas pauschalisiert, macht aber dennoch Sinn, sofern das Training anstrengend ist, da Kohlenhydrate dann bevorzugt als Energiequelle angezapft werden. Dementsprechend plant Lumen auch eine kleine Menge an „Workout Carbs“ ein – schneller verfügbare Kohlenhydrate, welche für optimale Leistungsabrufung vor dem Training aufgenommen werden sollten.

Die meiste Zeit hielt mich Lumen in einem geringen bis moderaten Kohlenhydratebereich (120-200g). Dies war wie bereits beschrieben, primär von meiner morgendlichen Messung abhängig. Wenn ich allerdings mehrere Tage hintereinander morgens einen Wert von 1 hatte und mich auch generell an die Empfehlungen hielt, streute die App einen „Boost day“ ein, der mit einer erhöhten Kohlenhydratemenge (250g) einherging. Dieser Refeed-Tag ist wichtiger Bestandteil der gesamten Ernährungsphilosophie. Die Idee dahinter ist, dass nach mehreren Tagen erhöhter Fettmobilisierung, knackigen Workouts und ausreichend wichtigem Schlaf die Kohlenhydratspeicher leer sind und somit der Zeitpunkt für das Aufladen dieser optimal getroffen wird. Der Boost day darf sollte allerdings nicht mit einem Cheat day gleichgesetzt werden! Es geht nicht um unkontrolliertes Schlemmen, sondern eine gezielte Kohlenhydrataufnahme.

Die Idee hinter den Boost days ist nicht neu, das muss sie auch nicht. Sie macht absolut Sinn und würde vielen Individuen in Zeiten des Kohlenhydrate-Überkonsums heutzutage helfen, genau diesen Überschuss besser zu kontrollieren. Einziges Manko an der Stelle, welches ich bereits vermerkt habe: Die mangelnde Kommunikation hinsichtlich der Gesamtkalorien. Diese gilt es primär zu berücksichtigen, um zielorientiert von den Boost days zu profitieren.

 

Wo bleibt der Ernährungsplan?

Auf den kannst Du noch lange warten. Lumen gibt Dir in der Tagesansicht wie schon beschrieben Deine Makronährstoff-Aufteilung für den Tag an, wie viele Kohlenhydrate Du für Dein Workout einplanen solltest (sofern Du trainierst). Alles weitere findet sich dann unter „Tools“ und dies ist zum Glück eine ganze Menge. Abgesehen von allen allgemeinen Informationen zu den Themen Ernährung, Training, Stoffwechsel usw., die die App zur Verfügung stellt, findet sich unter „Inspiration“ eine ganze Palette an Mahlzeitenoptionen aufgeteilt in Frühstück, Mittag, Abendessen und Snack. Diese sind dann auch an Deinen tagesaktuellen Plan angepasst. Zu jeder Mahlzeit werden dann auch für die einzelnen Zutaten Alternativen angegeben, sodass es an Optionen nicht mangelt. Allerdings erwartet Lumen, dass man ein Repertoire an Kochfähigkeiten mit sich bringt, denn eine Kochanweisung fehlt. Zum Glück sind die Rezepte größtenteils sehr einfach gehalten.

 

 

Der Lumen Flex Score

Nach 4 Wochen ist es dann endlich soweit, das eigentliche Ziel wird erreicht: Lumen gibt mir meinen ersten so genannten Flex Score preis. Dies ist ein Wert zwischen 0 und 21, der angibt, wie flexibel mein Stoffwechsel ist. Spätestens jetzt lässt sich ein gewisser Gamification-Aspekt nicht verbergen und natürlich hoffe ich auf einen möglichst hohen Wert als „Belohnung“ nach all dem Pusten. Mit all den Trainings, einer vorbildlichen Schlafhygiene, Einhalten der Vorgaben und dem vielen Fasten (alles laut Lumen wichtige Grundpfeiler einer hohen metabolischen Flexibilität) im Nacken, würde mich auch alles andere als ein Top-Wert ehrlicherweise irritieren. Und tatsächlich lande ich nach 4 Wochen bei einem Wert von 18,6. Dies sei aber nur Rande erwähnt, das Spannendere ist, dass auch dieser Wert wöchentlich aktualisiert wird – je nachdem wie die weiteren Messungen verlaufen. Damit baut Lumen auf einem langfristigen Wechsel des Lebensstils statt dem Suggerieren einer kurzfristigen Diät – i like!

 

Doch nur low carb und carb cycling?

Bereits ab Woche 2 lässt sich leider eine gewisse Ernüchterung nicht von der Hand weisen. Wenn wir mal – wie der Hamburger es formulieren würde – Butter bei die Fische lassen, heißt mal ganz nüchtern bewerten, was Lumen am Ende des Tages abliefert, dann sind es Empfehlungen basierend auf einer low carb – Ernährung mit zyklisch eingesetzten Kohlenhydrat-Aufladetagen. Wie schon beschrieben, ist daran nichts zu bemängeln, ein Konstrukt, welches funktioniert (sofern die Gesamt-Kalorienmenge beachtet wird!). Für jemanden, der seinen Körper, Körpersignale, Lebensmittel und deren Reaktionen auf den Organismus versteht und kennt (ich erinnere an über 10 Jahre Erfahrung in diesem Bereich) ist dies dann aber doch etwas wenig.

Ich muss zugeben, das optimierte Timing der Refeed-Tage war sehr hilfreich und hat ein, zwei eher emotional getriebene Kohlenhydrat-Gelüste zurückhalten können, doch dann steht die erhöhte Restriktion durch das Gerät einem freieren intuitiven Essen gegenüber, was diesen Bonus wieder etwas revidiert.

Auf der anderen Seite sind die Pläne, Informationen, die Führung und der Support für jemanden, der gerade erst anfängt seinen Körper, Gelüste und das gesamte Spektrum der Ernährungswelt kennen zu lernen, Gold wert. Die App ist sehr hilfreich, intuitiv und voller wertvoller Inputs.

 

Vor- und Nachteile

Zusammenfassend liefere ich Dir übersichtlich die Pro`s und Con`s des Gerätes.

Pro:

  • Handliches Gerät, welches im Alltag einfach zu bedienen ist
  • Hochwertig und schick
  • Sehr unterstützende, intuitive und hilfreiche App mit vielen Informationen und Mahlzeitenideen
  • Wissenschaftlich fundierte Basis, die eine Individualisierung ermöglicht
  • Langfristige Entwicklung eines gesünderen Lebensstils
  • Motivierende Community
  • Gewisser Gamification-Aspekt. Das Erreichen des „richtigen“ Wertes wirkt motivierend.

 

Contra:

  • Recht hoher Preis
  • Die App berücksichtigt nur mangelhaft „extreme“ Umsetzungen. So lässt sich z.B. kein längeres Fastenfenster als 20 Stunden angeben oder angeben, dass man im gefasteten Zustand trainiert.
  • Lumen nimmt einem die Arbeit nicht ab (Ich weiß…Frechheit oder?!).
  • Für vorzeigbare Ergebnisse ist ein hohes Maß an Commitment notwendig (und nochmal: Frechheit oder?!?!)
  • Teilweise falsch gelegter Fokus (Bereitstellung der Energiequelle vs. Kalorienhaushalt)
  • Die App ist noch nicht für den deutschen, bzw. europäischen Markt ausgelegt. So die Mengenangaben bei den Rezepten in Oz angegeben – etwas nervig bei der Umrechnung.

 

Erkenntnisse und persönliches Resultat

An wahren Aha-Momenten hat es mir ehrlicherweise gefehlt. Auch hatte ich zwischendurch ein, zwei Messungen, die mich aufgrund des Ergebnisses stutzig gemacht haben und die Technologie etwas anzweifeln ließen. Nur um es deutlich zu machen: Ich spreche wirklich über ein, zwei Messungen von ca. 120 (30 Tage Experiment mit im Schnitt 4 Messungen pro Tag).

Dennoch kann ich es nicht anders sagen: Ich mag Lumen. Mir gefällt die App, vor allem die verständliche Aufbereitung sämtlicher Informationen. Ich habe für das Experiment wieder mit dem tracken begonnen und es war ok. Zu Beginn etwas nervig wieder vieles abwiegen zu müssen, aber wenn man ordentliche Ergebnisse präsentieren will, dann muss man auch die Extrameile gehen. Als Ziel habe ich übrigens Performance-Steigerung angegeben und diesbezüglich hat mich Lumen gut unterstützt, da ich meine Trainingsgewichte in diesem Monat ordentlich steigern konnte. Scheint, als ob die Refeeds gut getimed waren.

Ich werde das Gerät weiter benutzen – schließlich muss ich den Flex Score von 21 knacken!

Für wen ist es geeignet?

Du meinst es ernst mit der Umstellung zu einem gesünderen Lebensstil? Du steigst allerdings gerade erst ein in die gesamte Themenwelt Ernährung und bist auch noch dabei Deinen Körper, seine Signale und Gelüste richtig zu deuten? Und zu all dem hast du knapp 250€ über? Dann könnte Dir Lumen durchaus weiter helfen!

Versteh mich nicht falsch, natürlich kriegst Du ein paar low carb Ernährungspläne im Netz deutlich günstiger und eventuell kannst Du auch pauschal einen Refeed-Tag alle 10-14 Tage einplanen. Unter Berücksichtigung aller Aspekte, die bei einer langfristigen erfolgreichen Umsetzung eine Rolle spielen (Anhaltende Motivation, Community, Wissen sammeln, werten und bewerten, Simplizität, Abwechslung), denke ich jedoch, dass das Geld gut investiert ist, denn all das gibt Dir Lumen. Und wenn es um die erwähnten Aspekte geht, spreche ich aus jahrelanger Erfahrung in der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Personengruppen und den immer wiederkehrenden Mustern.

Wie aber auch bereits erläutert, ist Lumen eher ein nettes (und dann recht teures) Spielzeug für jeden, der zahlreiche Erfahrungen sowohl im tracken als auch intuitivem Essen gesammelt hat, seinen Körper bestens kennt und versteht und sagen wir mal einen Übergang zu einem bluzone Lifestyle bereits vollzogen hat.

 

Fazit

Ich denke, ich habe alles gesagt und hoffentlich hast Du ein gutes Gefühl, ob Lumen für Dich geeignet ist oder nicht. Wenn Du dennoch Fragen oder weitere Anmerkungen hast, lass es uns in den Kommentaren wissen! Hast Du eventuell ein anderes Biohacking-Gerät im Blick und willst, dass wir es für Dich auf Herz und Nieren testen? Lass es uns wissen.

 

Referenzen:

(1): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4060961/

https://www.nature.com/articles/1600604.pdf?origin=ppub

https://bjsm.bmj.com/content/bjsports/37/5/445.full.pdf

 

(2): https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2020.05.05.078980v1

 

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Miszek Damer

Miszek Damer

31 Jahre, Ökotrophologe, Gründer der bluzone und Director of Human Optimization

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