Der schlechteste Zeitpunkt zum Essen

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Ja, Du wirst definitiv zunehmen, wenn Du über einen längeren Zeitraum mehr Energie (Kalorien) zu Dir nimmst, als Du verbrauchst. Doch wusstest Du, dass Du auch zunimmst – und zwar hauptsächlich Fett – wenn Du zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt isst? Und dies sogar ohne großartigen Kalorienüberschuss! Lies jetzt, wie Du diesen Fehler vermeidest und Deine Körperkomposition unter Kontrolle hast.

Folgende simple Theorie erscheint ziemlich logisch: “Nahrung, die man isst, wenn man sehr gestresst ist, wird eher als Körperfett gespeichert “.

Vermutlich kennst Du das Phänomen des Stressessens. Du schenkst der Nahrungsaufnahme keine Beachtung, Deine Aufmerksamkeit ist schon im nächsten wichtigen Meeting. Es scheint fast so, als ob Dich eine übernatürliche Kraft lenkt und quasi zu den Gummibärchen verleitet. So viel sei gesagt – es sind tatsächliche hormonelle Prozesse im Gang, die das Mysterium der wandernden Gummibärchenhand erklären. Wie sich herausstellt, zeigen neue Untersuchungen, dass wenn man unter Stress oder Angst isst, man auch schneller Fett zunimmt.

 

Iss unter Stress und werde (noch) dicker

Manche Menschen sind Stressesser, vielleicht auch Du. Sie nutzen die drogenähnliche Wirkung von Lebensmitteln, um sich abzulenken und zu beruhigen. Das Problem ist, dass dies in der Regel kalorienreiche Lebensmittel sind. Oder isst Du etwa Grünkohl, wenn Du gestresst bist?

Bisher hat man angenommen, dass die Fettansammlung aufgrund der grundlegenden Kalorienberechnung erfolgt: Der Stressesser nimmt mehr Energie auf, als er oder sie braucht, und speichert die überschüssige Energie als überschüssigen Speck. Und dies stimmt auch in weiten Zügen. Aber da ist noch mehr.

In einer kürzlich durchgeführten Studie haben Dr. Herbert Herzog und sein Team von Nerds zwei Gruppen von Mäusen überfüttert:

  • Eine Gruppe wurde in einer stressfreien Umgebung überfüttert.
  • Die andere Gruppe wurde ebenfalls überfüttert, aber in einer überlasteten Umgebung. Dr. Herzog ließ die Mäuse essen, während sie in einem simulierten Stau saßen und von ihren Mäuse-Ehepartner genervt wurden. Oder so etwas in der Art. (Tut mir leid, aus dem Studienaufbau ging nicht deutlich hervor, wie man Nagetiere professionell stresst).

Wie erwartet, haben beide Mäusegruppen an Fett zugenommen. Aber die gestressten Mäuse wurden schneller fett als die stressfreien Mäuse, obwohl sie genau die gleiche Anzahl an Kalorien verbrauchten.

 

Wie ist das passiert?

Der Hunger wird weitgehend durch den Hypothalamus des Gehirns kontrolliert, während die Amygdala für die Weitergabe emotionaler Reaktionen, einschließlich Stress und Angst, verantwortlich ist. NPY (Neuropeptid Y) ist eine der Gehirnchemikalien, die das Verlangen zu essen stimulieren. Es wird sogar als Reaktion auf Stress produziert: Wenn Du gestresst bist, wirst Du sehr häufig falsche Hungersignale erfahren.

Als die Wissenschaftler die NPY-Produktion bei den gestressten Mäusen “abschalteten”, normalisierte sich ihre Gewichtszunahme – sie nahmen die gleiche Menge wie die unbelasteten Nager zu.

Es stellte sich heraus, dass die Nervenzellen, die NPY produzieren, “Andockstationen” für Insulin haben. Normalerweise wird nach einer Mahlzeit Insulin produziert, um das Signal zum Essensstopp an das Gehirn zu senden. Aber in der Studie führte die Kombination aus hohem Stress und kalorienreichen Nahrungsmitteln zu Insulinwerten, die 10-mal höher waren als die Werte der stressfreien Mäuse.

Wenn man diesen Stress verlängert, werden die Nervenzellen gegenüber Insulin desensibilisiert, was dazu führt, dass sie NPY ausschütten. Wie zu erwarten war, führt dies zu einer Überernährung, aber es stört auch die Fähigkeit des Körpers, Energie durch Hitze zu verbrennen. Infolgedessen wird eine überlastete Maus (oder ein Mensch) schneller mehr Fett einlagern, wenn im Stresszustand gegessen wird.
 

Wie kannst Du diese Info für dich nutzen?

Ja, dies war eine Nagetierstudie, aber das menschliche Gehirn und der menschliche Körper sind, zumindest in diesem Fall, dem einer Maus sehr ähnlich. Wir alle haben die gleichen Gehirnteile, Nervenzellen und Neuropeptide. Die Botschaft ist also ziemlich klar:

  • Du wirst mehr Verlangen nach kalorienreichem Essen verspüren, wenn Du gestresst bist.
  • Wenn Du in diesem ängstlichen Zustand kalorienreiche Lebensmittel verzehrst, wirst Du schneller fett.
  • Vermeide eine Nahrungsaufnahme im gestressten Zustand. Iss besser nichts und gib deinem Körper die Möglichkeit körpereigene Reserven anzuzapfen. Im gestressten Zustand bist Du nicht im Stande achtsam zu essen und bewusst wahrzunehmen, was Du deinem Körper zuführst. Dementsprechend wird es in 99% der Fälle auch eine schlechte Entscheidung sein, was Du zu diesem Zeitpunkt zu Dir nimmst.
  • Unser Tipp: Praktiziere Box Breathing: Setze dich vor deiner Mahlzeit hin und atme für zwei Minuten ruhig durch. Vier Sekunden ein, vier Sekunden Atem anhalten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden abwarten bis Du den nächsten Atemzug nimmst. Dadurch aktivierst Du nachweisbar Dein parasympathisches Nervensystem, verfällst in den so genannten „Rest & Digest“ – Modus und gibst deinem Körper die Möglichkeit, die bevorstehende Mahlzeit adäquat zu verdauen. Ganz ohne überflüssige Fettspeicherung!

 

Persönliche Erfahrungen

Stress und Essen ist immer eine schlechte Wahl. Und auf Grund einer jahrelangen Konditionierung, die bei den meisten von uns bereits im Kindesalter begann, ist der angestrebte Dopaminkick, den wir uns wie ein Drogenjunkie herbeiwünschen, in der Regel an Süßes, Salziges und Fettiges geknüpft. Ich versuche daher dem Stress nicht durch Essen Herr zu werden. Diesen Kampf werde ich verlieren. Das weiß ich auf Grund vergangener Erfahrungen. Persönlich bevorzuge ich nicht zu essen, bevor ich in einem gestressten Zustand esse. Diese Taktik hat sich für mich als die beste Maßnahme erwiesen, wenn ich emotional geladen im Affekt handeln sollte. Darüber hinaus genießt das Stressmanagement, und da allen voran als Praxiselement das beschriebene Box Breathing, für mich höchste Priorität. Sofern Du nicht gerade vor einem Säbelzahntiger wegläufst oder versuchst die 200 Kilogramm vom Boden zu reißen, solltest Du in einem entspannten parasympathischen Zustand sein.

Dein Miszek

 

Quelle: Chi Kin Ip, Lei Zhang, Herbert Herzog. „Amygdala NPY Circuits Promote the Development of Accelerated Obesity under Chronic Stress Conditions.” Cell Metabolism, 2019; DOI: 10.1016/j.cmet.2019.04.001

 

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Eine Antwort

  1. Vielen Dank für diese Inspiration!!! Esse gerade mein Frühstück und habe das erste mal davor direkt BoxBreathing gemacht. Love it! ?

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Miszek Damer

Miszek Damer

31 Jahre, Ökotrophologe, Gründer der bluzone und Director of Human Optimization

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